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NATURA 2000-Gebiete

im Naturpark Fränkische Schweiz - Veldensteiner Forst

Die NATURA 2000-Gebiete im „Naturpark Fränkische Schweiz – Veldensteiner Forst“ – Hotspots der Artenvielfalt

Das europäische Schutzgebietssystem „NATURA 2000“ stellt das weltweit größte Projekt dar, um naturschutzfachlich hochwertige Lebensräume und seltene Tier- und Pflanzenarten zu bewahren und unserer Nachwelt zu hinterlassen. Die EU hat ihren Mitgliedstaaten schon vor Jahren mit zwei Richtlinien, nämlich der Vogelschutz-Richtlinie (1979) und der Fauna-Flora-Habitat (FFH-)-Richtlinie (1992), den Auftrag erteilt, ein kohärentes Netz an Gebieten auszuweisen, welche quasi die „Crème de la Crème“ des Arten- und Naturschutzes darstellen und das europäische Naturerbe dauerhaft erhalten sollen.

In Bayern sind diese Gebiete, so zeigt der Blick in die Karten, keineswegs gleichmä-ßig im Land verteilt. Vielmehr sind örtliche Klumpungen feststellbar - darunter auch und ganz besonders im Naturpark Fränkische Schweiz – Veldensteiner Forst“. Zu-mindest in Ober- und Mittelfranken gibt es eine derartige Häufung kein zweites Mal. Der Naturpark hat sage und schreibe Anteil an nicht weniger als 45! NATURA 2000-Gebieten. Das macht ihn zu etwas ganz Besonderem.

Warum ist der Naturpark so wichtig für den Naturschutz?

Da ist zunächst einmal die äußerst vielgestaltige Landschaft, in der sich strukturrei-che Laubmischwälder, blütenreiche Wiesen, kristallklare Fließgewässer und spekta-kuläre Felstürme auf engstem Raume abwechseln. Sonderstrukturen, die in anderen Naturräumen völlig fehlen, wie Kalktuffquellen, Höhlen, Kalkflachmoore, Dolinen und natürliche Schutthalden erhöhen zudem die Vielfalt. In ganz besonderer Weise haben darüber hinaus auch die hier siedelnden Menschen den Naturpark durch teils Jahrhunderte zurückreichende Bewirtschaftung geprägt und seine Mannigfaltigkeit vergrößert. Man denke beispielsweise an die durch Beweidung entstandenen Wacholderheiden und Magerrasen mit ihren prachtvollen Beständen an Küchenschellen, Windröschen und Orchideen oder an die teils heute noch vorhandenen und aktiv bewirtschafteten Mittelwälder aus Eiche, Linde und Hainbuche, in denen sich hunderte seltener Schmetterlinge und Käfer tummeln.

Wiesenttal mit Seitentälern – Kernstück der Fränkischen Schweiz und Gebiet der Superlative

Natürliche und von Menschenhand geschaffene Lebensräume wie hier im Naturpark bieten einer großen Zahl an unterschiedlichen Tieren und Pflanzen eine Heimstatt. Am Beispiel des rd. 7.000 ha großen Wiesenttals mit Seitentälern, das zu Recht als Kernstück der Fränkischen Schweiz bezeichnet wird, wird dies mehr als deutlich: das Gebiet beherbergt allein 59 NATURA 2000-Schutzgüter, – mehr als beispielsweise der gesamte Nationalpark Berchtesgaden oder der doppelt so große Steigerwald. Die Populationen von Uhu, Wanderfalke, Grünem Koboldmoos und verschiedenen Fledermäusen zählen zu den besten, die Bayern oder gar Deutschland zu bieten haben. Unzählige andere Arten, die geschützt oder stark gefährdet und anderswo längst verschwunden sind, haben hier noch ihr Auskommen.

Weitere Topgebiete im Naturpark

Es wäre ungerecht, nur das Wiesenttal zu erwähnen. Viele weitere Gebiete zeichnen sich durch einzigartige Landschaften und selten gewordene Lebensgemeinschaften aus. Hierzu zählen beispielsweise die Streuobstbestände und Kopfeichen um Hetzles, die die größte bayerische Population des Juchtenkäfers (Eremit) beherbergen, die Trockenrasen, Wiesen und Wälder um Weismain mit einem der letzten Apollofalterbestände Bayerns, die landschaftlich überaus reizvollen Zeugenberge „Walberla“ und „Staffelberg“, schließlich die Wälder in der Dolomitkuppenalb und um Betzenstein mit ihren sensationellen Frauenschuhbeständen u.v.m. Letztlich ist jedes NATURA 2000-Gebiet einzigartig und verdient unseren Einsatz zu dessen Erhaltung.

Managementpläne und Beteiligung der Bevölkerung

Mittlerweile wurden für die meisten NATURA 2000-Gebiete im Naturpark sogenannte Managementpläne erstellt. Dabei handelt es sich um Pflege- und Bewirtschaftungskonzepte, die sicherstellen sollen, dass die vorhandenen Lebensräume und Arten langfristig überleben können. Aber: mehr noch als eines zukunftsorientierten Bewirtschaftungskonzepts bedarf es der vor Ort tätigen Grundeigentümer, Bewirtschafter und Interessensvertreter, ohne die NATURA 2000 zum Scheitern verurteilt wäre. Nur mit deren Mithilfe und Unterstützung kann und wird das Projekt ein Erfolg werden.

Wie die vielen Öffentlichkeitsveranstaltungen zum Thema NATURA 2000 gezeigt haben, war die Skepsis in der Bevölkerung anfänglich groß. Viele Unsicherheiten, was mögliche künftige Bewirtschaftungsrestriktionen anbelangt, und der Unmut über mangelnde Transparenz und Beteiligung bei der Gebietsausweisung führten zu einer eher ablehnenden Haltung gegenüber NATURA 2000. Diese gibt es natürlich auch heute noch.

Inzwischen ist jedoch ein Wandel in der Bevölkerung erkennbar. In immer mehr Köpfen macht sich langsam das Bewusstsein breit, dass eine intakte Natur vor Ort der beste Garant für einen florierenden Tourismus ist und damit Einkünfte aus Gewerbe und Gastronomie zu erzielen sind. Es lohnt sich, umweltverträglich, nachhaltig und auf die Artenvielfalt bedacht zu wirtschaften – nicht zuletzt auch wegen der zunehmenden Fördermittel. Weichen bunte Wiesen und vielgestaltige Wälder erst einmal eintönigen Monokulturen, dann verlieren die Gebiete ihren Reiz und werden kaum noch angenommen.

Zahlreiche Grundbesitzer blicken mit Stolz auf ihre mit viel Mühe und Liebe bewirt-schafteten Grundstücke. Dieser Stolz ist zweifellos berechtigt. Es ist an der Zeit, hier einmal in aller Deutlichkeit ein herzliches Dankeschön an all jene zu richten, die dafür gesorgt haben, dass die Gebiete noch den guten Zustand bewahrt haben, in dem wir sie heute antreffen. Tausende Gäste aus anderen Regionen kommen hierher, um eben diesen Zustand, um Schönheit und Reichtum dieser Landschaft zu erleben.

Alle sind gefordert!

Angesichts gravierender zukünftiger Herausforderungen – sei es durch den Klima-wandel, den zunehmenden Flächenverbrauch, einen überbordenden Tourismus oder Veränderungen in der land- und forstwirtschaftlichen Nutzung – bedarf es jedoch weiterer Anstrengungen. Es darf nicht allein den Bewirtschaftern aufgebürdet werden, die Gebiete zu erhalten. Es ist dies Sache der Gesellschaft, des Staates und letzten Endes von uns allen, unseren Nachkommen eine lebens- und erlebenswerte Welt zu hinterlassen. Wenn nicht hier, wo sonst lohnt dieser Einsatz!

 

Scheßlitz, 12.04.2018

Klaus Stangl
AELF Bamberg – Bereich Forsten in Scheßlitz