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50 Jahre Naturpark - Dokumente einer Bilderbuchlandschaft

20.04.2018

50 Jahre Naturpark Fränkische Schweiz - Veldensteiner Forst / Dokumente einer Bilderbuchlandschaft

Ein Bericht von Walter Schraml

 

Der Naturpark Fränkische Schweiz - Veldensteiner Forst kann im Jahr 2018 auf sein 50-jähriges Bestehen zurückblicken. Der Naturraum zählt nicht nur zu den geologisch interessantesten und formschönsten Landschaften Bayerns, sondern er gehört mit 2300 Quadratkilometern zu den größten seiner Art in ganz Deutschland. Zwar erstreckt sich der Naturpark im Kern auf die beiden Regierungsbezirke Ober- und Mittelfranken, doch im Osten schließt er den westlichen und nordwestlichen Landkreis Amberg-Sulzbach in der Oberpfalz mit ein. Geologisch und erdgeschichtlich gesehen bildet die westliche Oberpfalz – gemeinhin auch als Bayerischer oder Oberpfälzer Jura bekannt - mit dem Frankenjura eine Einheit. Im Gegensatz zum kristallinen Grundgebirge des Oberpfälzer und Bayerischen  Waldes sind die Jurakalke verkarstungsfähig – mit der Folge einer überaus abwechslungs- und formenreich gegliederten Landschaft. So bestimmen Tausende von Höhlen, Erdfälle, Wasserschlinger, tief eingeschnittene, felsbegrenzte, wasserführende, aber auch zahllose Trockentäler sowie bizarre und himmelragende Felstürme sowie grotesk geformte Dolomitkuppen den Reiz und die Vielfalt einer grandiosen Natur. Ein  weiteres typisches Kennzeichen ist der frappierende Mangel an Quellen und Fließgewässern, also die durch den Karst bedingte Wasserarmut. Das zerklüftete Kalk- oder Karbonatgestein nimmt zwar große Mengen von Oberflächen- und Regenwasser auf, lässt es jedoch in tiefgründigen und geheimnisvollen Kanälen verschwinden. Nach einer mehr oder weniger langen Reise durch ein verzweigtes unterirdisches Labyrinth tritt es oft unvermutet in einem tiefer gelegenen Quellhorizont wieder zu Tage.

Zur Vielfalt der Natur kommt als weiteres Highlight eine herrliche und historisch gewachsene Kulturlandschaft mit zahlreichen Burgen, geheimnisvollen Burgruinen, Mühlen sowie einer liebenswerten Brau- und Wirtshaustradtion hinzu. Immerhin weist die Fränkische Schweiz die größte Brauereidichte in Deutschland auf. Darunter befinden sich 69 familiengeführte Braustätten.

Wenn man der Frage nach dem Wesen eines Naturparks nachgeht, so ergibt sich zwangsläufig die Abgrenzung zum Begriff Nationalpark. Während dieser einem strengen gesetzlichen Schutz mit weitgehenden Nutzungsverboten und Beschränkungen unterliegt (z.B. die Nationalparke Bayer. Wald, Berchtesgaden oder Wattenmeer), werden Naturparke als großflächige Landschaften von besonderer Eigenart und Schönheit zwar mit oberster Priorität geschützt und gepflegt, jedoch nicht wie ein Naturkundemuseum konserviert und sich selbst überlassen. Auch die wirtschaftliche Nutzung und die Vermarktung regionaler Produkte sind beim Naturpark keinesfalls ausgeschlossen. Des Weiteren werden eine landschaftsbezogene Erholung sowie ein umwelt- und sozialverträglicher Tourismus gefördert und gesichert. Dies gilt auch für den Naturpark Fränkische Schweiz - Veldensteiner Forst. Wo man sich seit Anbeginn in ausgewogener Weise um die Pflege von Natur und Landschaft einerseits und um die wirtschaftliche Nutzung und Erholungsvorsorge für die Menschen andererseits bemüht. Ein Kompromiss, mit dem die Menschen in diesem herrlichen Naturraum gut leben können. 

Träger des Naturparks ist der in Pottenstein/Ofr. ansässige Naturparkverein, der im Zusammenhang mit dem 1968 neu konzipierten  Naturreservat „Veldensteiner Forst“, einem 5500 Hektar großen Staatswaldrevier beiderseits des Oberlaufs der Pegnitz ins Leben gerufen wurde. Doch schon bald nach der Gründung wurden Stimmen laut, diesen relativ kleinen Naturpark um die nahegelegene, landschaftlich pittoreske Fränkische Schweiz zu erweitern, was denn auch 1972 geschah. Gleichzeitig wurden auch - wie oben erwähnt - der Oberpfälzer Jura zwischen Auerbach und Sulzbach-Rosenberg, die Hersbrucker Schweiz und 1975 das Obere Maintal bei Lichtenfels in den Park integriert. Seither zählt der einzigartige nordbayerische Naturraum mit dem Doppelnamen „Fränkische Schweiz - Veldensteiner Forst“ zu den bekanntesten und größten Schutzgebieten in Deutschland überhaupt. Insgesamt leben 250000 Menschen in den 70 Gemeinden, acht Landkreisen und drei Regierungsbezirken, die gemeinsam den Naturpark zwischen dem Kloster Banz im Nordwesten und der Osterhöhle bei Neukirchen bei Sulzbach-Rosenberg im Südosten bilden. Also alles in allem ein Naturpark, der mit seiner äußerst vielfältigen Landschaft auch ein attraktives Naherholungsgebiet und einen bedeutenden Lebensraum für die angrenzenden Ballungszonen Nürnberg/Fürth/Erlangen, Bamberg und Bayreuth, aber auch für die östlichen Randregionen wie Sulzbach-Rosenberg und Amberg darstellt.

Ein Juwel dieser reizvollen, kuppenreichen und von tiefen Tälern zerfurchten Juralandschaft stellen auch die mehr oder weniger versteckt und oftmals isoliert liegenden Felstore oder Naturbrücken dar, die Wanderer und Naturfreunde ins Staunen versetzen. Zwar nehmen sich die heimischen Felstore von den Dimensionen her im Vergleich zu den riesigen Naturbögen in den USA oder in Australien bescheiden aus, doch ein Highlight in der Juralandschaft des Naturparks sind sie allemal. Die größte mitteleuropäische Felsbrücke mit einer Spannweite von 27 m, das Prebischtor (Pravcická brána), findet sich im tschechischen Teil des Elbsandsteingebirges.

Die Naturbrücken oder Felsbögen im Karst sind Überbleibsel von Höhlen, mit anderen Worten, sie stellen Höhlenruinen dar. Die ursprünglich ein- oder beidseitig vorhandenen Höhlengänge oder gar Höhlensysteme sind der mechanischen und chemischen Abtragung zum Opfer gefallen und eingestürzt. Als letzte Fragmente von Höhlen stehen sie oftmals als überdimensionale natürliche Portale solitär in der Landschaft und erinnern kaum noch an ihre „dunkle“ Vergangenheit. Felstore, Felsbrücken gehören ebenso wie die Lochsteine streng genommen zu den Durchgangshöhlen mit einer sehr geringen Längendistanz. Weithin bekannt sind die Wahrzeichen einmal des Veldensteiner Forsts, der große Lochstein nordwestlich von Auerbach, und zum anderen die Versturzhöhle Riesenburg im Wiesenttal in der Fränkischen Schweiz. Wissenschaftlich werden die Naturbrücken, Felstore und Lochsteine wie Karsthöhlen erfasst und kartiert.

Nachstehend eine aus Platzgründen begrenzte Auswahl von Felsbögen / Durchgangshöhlen aus dem Gesamtraum des Naturparks (alle Fotos: Walter Schraml):

 

Noris-Törle

Noris-Törle bei Hegendorf: Ein weithin bekanntes Markenzeichen des Fels- und Klettergebietes Schwarzer Brand stellt das Noris-Törle am Norissteig bei Hegendorf/Hirschbach dar.

Felstor "Haustür" 

Felstor „Haustür“ bei Riglashof/Steinbach: Das Portal „Haustür“, ein verborgenes Juwel von Felsentor bei Riglashof/-Steinbach im westlichen Landkreis Amberg-Sulzbach-Rosenberg.

Katzenlöcher-Felstor

Katzenlöcher-Felstor bei Rinnenbrunn: Mit nahezu zehn Metern Bogenlänge stellt das Katzenloch-Felstor bei Rinnenbrunn im östlichen Veldensteiner Forst („Rinnenbrunner Forst“) einen wahren Koloss in der Landschaft dar.

Großer Lochstein 

Großer Lochstein im Veldensteiner Forst: Der große Lochstein im Veldensteiner Forst nordwestlich von Auerbach wurde als einzigartiges Naturdenkmal im Jahre 2006 in die Liste der 100 schönsten Geotope Bayerns aufgenommen. Zudem erhielt er auch das Gütesiegel „Bayerns schönste Geotope“. Der Felsturm mit Durchgangshöhle gilt als Wahrzeichen des Veldensteiner Forstes.

Hohler Fels

Hohler Fels bei Happurg: Ein markantes Doppelfelstor am Zugang zur Steinzeit-Höhle Hohler Fels auf der Houbirg in der Hersbrucker Schweiz bei Happurg führt zu einer grandiosen Aussicht auf den Stausee und die umliegenden Täler. Wegen seiner stein- und bronzezeitlichen Funde wurde das Objekt in die Bayerische Denkmalliste eingetragen.

Riesenburg

Höhlenruine (Versturzhöhle) Riesenburg im Wiesenttal: Als Paradebeispiel einer Höhlenruine erweist sich die grandiose Riesenburg im Wiesenttal. Die ursprünglich mit Sediment  verfüllte Höhle wurde durch die Eintiefung der Wiesent in jüngster erdgeschichtlicher Zeit wieder freigelegt und ausgeräumt. Die Höhlendecke verlor dabei ihre Stabilität und stürzte teilweise ein. Übrig blieben zwei Felsbögen und mächtige Abris, die das heutige Erscheinungsbild dieser insbesondere im 18. und 19. Jahrhundert von den Romantikern beschriebenen und bildlich dargestellten Höhlenruine prägen. Vom Bayerischen Landesamt für Umwelt wurde die Riesenburg als bedeutendes Naturdenkmal ausgewiesen. Außerdem zählt sie auch zu den schönsten Geotopen Bayerns.

Juraelefant

Doppelfelstor „Juraelefant“ am Langen Berg bei Münchs: Das Naturdenkmal „Juraelefant“ am Langen Berg bei Münchs wird im Fränkischen Höhlenkataster als Doppelfelstor geführt. Es zählt zu den eigenwilligsten und kuriosen Naturerscheinungen in der Fränkischen Schweiz.

Geiskirchre        

Geiskirche oder Kunkelein-Durchgangshöhle bei Türkelstein bei Gößweinstein: Als mächtige Durchgangshöhle präsentiert sich die Geiskirche in einem Felsmassiv bei Türkelstein, einem Ortsteil von Gößweinstein. Im Ort wird das im Höhlenkataster offiziell als Kunkelein-Durchgangshöhle genannte Objekt kurzum als Felstor bezeichnet, das auch dem ortsansässigen Gasthaus seinen Namen gab.

Sieghardttor

Sieghardttor (Sieghardtfelsen) bei Köttweinsdorf: Gegenüber von Doos am Steilhang des linken Wiesenttales erhebt sich ein mächtiges Felsgebilde, das nach dem bekannten Heimatschriftsteller August Sieghardt benannt ist: Sieghardtsfelsen. Und in dieser schluchtartigen Felsgruppe öffnet sich das eindrucksvolle Sieghardttor. Der dichte Baumbewuchs verhindert leider den freien Blick auf das Flusstal unweit der. Einmündung der Aufseß in die Wiesent bei Doos.

Walter Schraml ist Heimatpfleger, Bereich Heimatkunde für den Altlandkreis Sulzbach-Rosenberg im Landkreis Amberg-Sulzbach.