Eine Uhu mit Jungvogel sitzt in einer kleinen Felshöhle

Felsbrüter

Kinderstube in luftigen Höhen

Unsere vielen Kalk- und Dolomitfelsen im Naturpark prägen nicht nur das Landschaftsbild und sind für Kletter- und Wanderbegeisterte interessant. Sie bieten außerdem einer angepassten Pflanzen- und Tierwelt einen perfekten Lebensraum. Darunter fallen auch einige Vogelarten, die in den steilen Felswänden brüten. Kleinere Höhlen bzw. Halbhöhlen werden u.a. gerne von Meisen, Kleibern und Dohlen zum Brüten genutzt, größere z.B. vom Waldkauz. Besonders auf unsere Felsen angewiesen sind dabei die größte Eule und der schnellste Vogel der Welt: Uhu und Wanderfalke. Diese beiden Greifvögel der Superlative brüten vorzugsweise auf Felsvorsprüngen, in Felsbändern und in den Steilwänden von Steinbrüchen. Daher zählt der Frankenjura zu einem der wichtigsten Verbreitungsschwerpunkte von Uhu und Wanderfalke in ganz Deutschland.

Bestandsentwicklung Uhu und Wanderfalke

Mitte des 20. Jahrhunderts war sowohl Uhu als auch Wanderfalke in Deutschland nahezu ausgerottet. Heute haben sich die Bestände dank intensiver Schutzbemühungen und Wiederansiedelungsprojekte wieder erholt.

Uhu

Aufgrund jahrhundertelanger Verfolgung durch starke Bejagung und Aushorstungen von Junguhus zur Hüttenjagd wurde der Uhubestand so stark dezimiert, dass es in den 1950er Jahren nur noch etwa 70 Brutpaare in Deutschland gab. Durch verschiedene Schutz- und Wiederansiedelungsprojekte haben sich die Bestände ab den 60er Jahren nach und nach erholt. Heute zählen wir bundesweit wieder um die 3000 Brutpaare. Etwa 500 Brutpaare davon leben in Bayern.

Im Naturpark Fränkische Schweiz – Frankenjura konnte sich während des bundesweiten Bestandseinbruchs eine Restpopulation an Uhus halten. Seitdem wächst die Uhupopulation wieder unregelmäßig an – je nach Witterung, Nahrungsverfügbarkeit (Mäusebestand) und entsprechender Mortalitätsrate beim Nachwuchs. Im Jahr 2024 wurden knapp 100 besetzte Uhu-Reviere und mehr als 60 Revierpaare mit über 90 Jungvögeln im Naturpark-Gebiet festgestellt – ein Rekord-Uhu-Jahr!

Wanderfalke

Etwa ab 1950 begannen in weiten Teilen Europas die Wanderfalkenbestände einzubrechen, das Bestandstief war Ende der 1970er Jahre erreicht. Zu diesem Zeitpunkt gab es deutschlandweit noch ca. 50-60 Paare (Schwäbische Alb und bayerische Alpen). Der Bestandseinbruch war hauptsächlich auf das ab den 1940er Jahren vielverwendete Insektizid DDT zurückzuführen. Dessen Anreicherung in der Nahrungskette führte beim Wanderfalken und anderen Greifvögeln zur Ausdünnung der Eierschalen und zu langjährigen Brutausfällen. 1974 wurde die Anwendung von DDT in der Bundesrepublik verboten, was eine langsame Erholung der Wanderfalkenbestände ab den 80er Jahren zur Folge hatte. Heute brüten in Deutschland wieder um die 1400 Paare, etwa 280 davon in Bayern.

Auch im Naturpark Fränkische Schweiz – Frankenjura sind Wanderfalken in den 70er Jahren verschwunden, nachdem die letzte Brut 1971 gelang. Nach dem „pesticide-crash“ konnte das erste Revierpaar erst wieder im Jahr 1988 festgestellt werden, die erste erfolgreiche Brut mit 3 Jungvögeln im Jahr 1992. Seitdem ist die Wanderfalkenpopulation angewachsen und etwa seit 2007 mit rund 25 Revierpaaren auf ziemlich konstantem Niveau.

Gefährdung, Schutz und Monitoring

Zwar sind Uhu und Wanderfalke in Bayern nicht mehr vom Aussterben bedroht, dennoch existieren auch heute noch viele Gefährdungsursachen. Neben illegalen Verfolgungen, Vergiftungen und Aushorstungen finden die Greifvögel teilweise durch den Straßen- und Bahnverkehr, ungesicherte Strommasten oder Windkraftanlagen den Tod. Die Verfüllung ehemaliger Steinbrüche und die Intensivierung der Landbewirtschaftung führen zunehmend zu Lebensraum- und Nahrungsverlusten. Ein bedeutender Gefährdungsfaktor ist jedoch auch die Störung durch Freizeitnutzung, z.B. durch Geocaching, Mountainbiking und vor allem den Klettersport, denn Störungen am Brutplatz können zum Verlust der Brut und zur Aufgabe angestammter Brutplätze führen.

Um die Bestände von Uhu und Wanderfalke in Bayern nachhaltig zu sichern, betreibt der Landesbund für Vogel- und Naturschutz in Bayern e.V. (LBV) im Rahmen des LfU-Projekts „Artenhilfsprogramm Felsbrüter“ landesweit Schutzmaßnahmen. Im Naturpark Fränkische Schweiz – Frankenjura liegt dabei der Fokus auf dem Monitoring von Revierbesatz und Bruterfolg, welches die Grundlage für Lenkungsmaßnahmen für den Klettersport darstellt (siehe Kletterkonzept). In der Praxis bedeutet dies, dass Felsen bzw. Felsbereiche, an denen Uhus oder Wanderfalken brüten, im Brutzeitraum für den Klettersport gesperrt werden. Die meisten dieser Sperrungen sind „flexible Sperrungen“ – das heißt, dass Kletterfelsen, die in den vergangenen Jahren zur Brut genutzt wurden, auch für die nächste Brutsaison prophylaktisch gesperrt werden. Findet sich kein Brutpaar am Fels ein, kann die Sperrung auch vorzeitig aufgehoben werden. Das umfangreiche Monitoring und die Sperrungen vor Ort sowie die Informationsvermittlung an die Klettersportler*innen funktioniert dabei nur durch eine gute Zusammenarbeit vieler haupt- und ehrenamtlicher Mitarbeiter*innen von LBV, DAV, IG-Klettern, der Naturschutzbehörden und des Naturparks.

Um weitere Erkenntnisse bezüglich der Ausbreitung von Uhus zu gewinnen, werden Junguhus zum Teil beringt. Die Wiederfunddaten geben Aufschluss darüber, wie weit und wohin Uhus fliegen und wie alt Uhus in Freiheit werden. Aus diesem Grund hat Uhu-Spezialist Alex Brehm seit 2013 knapp 400 Uhus im oberfränkischen Teil des Frankenjuras beringt (entsprechende Fotos auf dieser Website sind zur Dokumentation beim Beringen der Jungvögel entstanden).

Ein Uhu Jungvogel im grauen Federkleid
Uhu Jungvogel
Eine Uhu mit Jungvogel sitzt in einer kleinen Felshöhle
Uhu Weibchen und Jungvogel (Das Bild entstand bei der Beringung der Jungvögel.)
Zwei Uhu Jungvögel im grauen Federkleid lehnen an einem Fels
Uhu Jungvögel (Das Bild entstand bei der Beringung der Jungvögel.)
Jungvögel eines Wanderfalken im grauen Federkleid
Wanderfalken Jungvögel (Das Bild entstand bei der Beringung der Jungvögel.)
Ein Wanderfalke vor einer Felswand
Wanderfalke
an einem felsen ist ein schild mit hinweisen angebracht.
Kletterzonierung