Orchideen
Blühende Kleinode unserer Karstlandschaft
Nicht nur in den Tropen, sondern gerade auch bei uns kann man einige besonders schönen Arten unserer heimischen Orchideen entdecken. Tatsächlich gehört der Naturpark mit mehr als der Hälfte des gesamtdeutschen Arteninventars zu den „orchideenreichsten“ Gebieten Deutschlands. 46 verschiedenen Orchideenarten wurden in unserem Naturpark nachgewiesen.
Die große Vielfalt an Orchideenarten in unserem Naturpark liegt vor allem an der Geologie und der Vielzahl unterschiedlicher Lebensräume, die bei uns auf engstem Raum zusammentreffen. Kalkreiche Trocken- und Halbtrockenrasen mit lichten Kiefernwäldern prägen die Hänge und Hochlagen, während in den Tälern feuchte, nährstoffarme Wiesen mit Quellhorizonten liegen, durchzogen von ursprünglichen Laubmischwäldern. Hinzu kommen Streuobstwiesen sowie Standorte wie Steinbrüche, Nadelholzforste und Wegränder. Viele dieser Lebensräume wurden über Jahrhunderte hinweg durch den Menschen geprägt oder überhaupt erst geschaffen – etwa durch Waldnutzung, Landwirtschaft und Beweidung. Gerade die für unsere Region typischen Wacholderheiden zählen daher zu den artenreichsten Biotopen überhaupt. Da Orchideen hoch spezialisiert und meist konkurrenzschwach sind, konnten sie sich als Kulturfolger über Jahrtausende hinweg in bestimmten Bereichen ansiedeln und dauerhaft etablieren.
Orchideen und die Symbiose mit Pilzen und Bäumen
Dass Bäume und Pilze öfters eine Gemeinschaft eingehen ist durchaus bekannt. Das Pilzgeflecht ist viel filigraner als Baumwurzeln und kann somit besser Wasser und Mineralsalze aus dem umgebenden Boden erschließen. Im Gegenzug versorgt der Baum den Pilz mit zuckerhaltigen Assimilationsprodukten, die der Pilz selber nicht produzieren kann. Jetzt kommt auch noch die Orchidee ins Spiel. Orchideen produzieren aufgrund ihrer Verbreitungsbiologie zahlreiche winzige Samen, die im Gegensatz zu den Samen der meisten anderen Pflanzen kein Nährgewebe besitzen und zur Keimung auf einen Wurzelpilz angewiesen sind. So muss bei der Keimung direkt ein Pilzgeflecht vorhanden sein, indem der Keimling einwurzeln und sich von dem Pilz ernähren kann. Sie schmarotzen in dem Fall den Pilz ohne Gegenleistung, meist aber nur kurz bis Sie sich mit ihren eigenen Wurzeln und Blättern versorgen können. Auch gibt es bei den Orchideen blattlose Vertreter wie z.B. die Vogelnestwurz die selber keine grünen Blätter ausbildet und sich ihr ganzes Leben als „Vollschmarotzer“ über den Organismus Pilz ernährt. Daher ist die Symbiose mit Baum und Pilz eine überlebenswichtige Strategie und unabdingbar für unsere Orchideen. Im eigenen Garten verpflanzt würden diese wilden Kleinode daher nicht wachsen können, da ihnen die Symbiose mit Baum und Pilzen fehlt.
Orchideen mit ihren wundersamen Bestäubungsmechanismen
Teilweise werden bei den Orchideen ganz traditionell die Insekten durch süßen Nektar angelockt und die Blüte so bestäubt. Doch gibt es ganz vielfältige Wege bestäubt zu werden. Bei einigen Orchideen-Arten wird durchaus gemogelt und ordentlich in die Trickkiste gegriffen. Das Rote Waldvöglein zum Beispiel wächst stets in der Nähe von Glockenblumen. Es bietet selbst keinen Nektar, imitiert aber das Aussehen der Blüte der Glockenblume und wird als „Mimikri“ von Bienen einfach ohne Gegenleistung mitbestäubt. Gleiches gilt für den Frauenschuh, der aber mit einer Art Kesselfalle operiert und die Insekten über Duftstoffe anlockt. Unheimlich spannend sind auch die Bestäubungsmethoden der Ragwurzarten wie der Bienen-, Fliegen- und Hummelragwurz. Die Blüten ahmen dabei ein weibliches Insekt nach, mit dem Ziel, männliche Insekten anzulocken. Dabei imitieren sie das Aussehen und den Duft der Weibchen.
Gefährdung und Schutz
Leider sind unsere Orchideen Populationen mittlerweile stark vom Rückgang betroffen. Überdüngung, moderne Landschaftsnutzung, Flächenverbau, Strukturarmut und vor allem die Aufgabe von ursprünglichen landwirtschaftlichen Nutzungsweisen wie Beweidung und die extensive Nutzung der Wiesen als Viehfutter sind dafür verantwortlich. Daher sind alle Orchideenarten bei uns gesetzlich besonders geschützt.
Auch hier gilt deshalb: „Anschauen erlaubt, Pflücken oder Ausgraben ist verboten“.
© Martin Kreisel
© Adolf Riechelmann
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