Geologie

Wie entstand der Naturpark Fränkische Schweiz - Frankenjura?

Der Nördliche Frankenjura, das Land der Burgen und Höhlen, atemberaubender Felslandschaften, artenreicher Wacholderheiden und malerischer Flusstäler … alles vereint in einem bunten Mosaik aus einer historisch gewachsenen Kulturlandschaft. Doch wie ist diese Landschaft entstanden?

Das Gebiet des Naturparks ist Teil eines Mittelgebirges, das sich von der Frankenalb über die Schwäbische Alb bis zum Schweizer Jura erstreckt. Der Beiname „Frankenjura“ unseres Naturparkes könnte treffender nicht sein. So sind nahezu alle Gesteinsarten die im Naturparkgebiet zu finden sind im Erdzeitalter des Juras entstanden.

das Jurazeitalter. Angefangen hat es mit einem großen Meer. So überdeckte die Region des heutigen Naturparks im Zeitraum vor 200-135 Millionen Jahren ein tropisches Flachmeer, dessen Ablagerungen (Sedimente) unsere Landschaft heute aufbauen. Im Laufe der Zeit änderten sich die Umwelt- und Ablagerungsbedingungen in diesem Meer. Das führte zu einer Veränderung der Zusammensetzung und Farbe der Sedimente. Die Gesteine aus Unterjura (Lias), Mitteljura (Dogger) und Oberjura (Malm) lassen sich so farblich in Schwarz-, Braun- und Weißjura einteilen.

Mitteleuropa zur Zeit des Weißen Jura
Entstehung des Nördlichen Frankenjura

Nach der Jurazeit zog sich das Meer wieder zurück. Aber was passierte danach?

In den nun folgenden rund 35 Millionen Jahren der Unterkreidezeit verkarstete das „Jura-Land“ unter einem feucht-tropischen Klima. Dadurch entstanden schon damals die ersten Felsformationen und zum Teil auch schon die Höhlen. In der folgenden Oberkreidezeit (100-66 Millionen Jahre) wurde das Gebiet des Naturparks im Zusammenhang mit Bewegungen großer Kontinentalplatten, die u.a. die Alpen auffalteten, gegen die Böhmische Masse (Frankenwald, Fichtelgebirge, Oberpfälzer Wald, Bayerischer Wald) gedrückt. In ihrem zentralen Teil begann sich die Frankenalb muldenartig abzusinken (Hollfeld-Veldensteiner Senke). Über diese Senke konnte das im Süden liegende „Ur-Mittelmeer“ über den Regensburger Raum erneut bis in unsere Region vorstoßen und bereits einen Teil der Juragesteine und der in der Unterkreidezeit entstandenen Karstlandschaft mit seinen Ablagerungen unter sich begraben. Als sich dann die Böhmische Masse am Ende der Kreidezeit um mehr als drei Kilometer heraushob, transportierten Flüsse gewaltige Mengen an Sand von Ost nach West und überschütteten den nördlichen Frankenjura mit mehr als 400 Metern ihrer Transportfracht! Aufgrund diesen enormen Sandmengen musste auch das Meer weichen.

Unsere Landschaft in der Zeit des Tertiärs (vor 65-2,6 Millionen Jahren) wird geprägt durch die Abtragung der kreidezeitlichen Ablagerungen. Es herrschte immer noch ein subtropisches Klima, was der Verwitterung der Sandmengen Vorschub leistete. Hinzu kam eine einsetzende Hebung der gesamten Frankenalb. Wohl schon während des mittleren Tertiärs war der größte Teil der Kreideablagerungen schon wieder abgetragen und es begann die zweite und bis heute anhaltende Verkarstungsphase unseres Naturparks.

Während des Pleistozäns, dem Eiszeitalter (2,6 Millionen Jahre bis 11.700 Jahre), erhält der Naturpark schließlich ihr heutiges Landschaftsgepräge. Infolge der fortgesetzten Hebung greifen die Täler immer tiefer in den Untergrund ein. Dabei hilft ihnen, dass es aufgrund des tiefgreifenden eiszeitlichen Bodenfrostes (Permafrost) sehr viel mehr an der Oberfläche abfließendes Wasser gibt. Dadurch wurden auch die Täler geschaffen, in denen heute gar kein Wasser fließt. Durch die vielen Klüfte und Höhlen in den Kalkgesteinen versickert heute der größte Teil des Niederschlagswassers im Untergrund, so dass die „Trockentäler“ ein typisches Landschaftselement des Naturparks Fränkische Schweiz - Frankenjura sind.

Karstformen wie Trockentäler, Höhlen, Dolinen, Karstquellen und tief eingeschnittene Täler mit schroffen Felsen geben dem Naturpark heute sein unverwechselbares Gesicht.

Groß- und kleinräumige tektonische Verbiegungen der Gesteinsschichten und die teils tief in den Untergrund eingeschnittenen Täler ermöglichen im Naturpark Fränkische Schweiz-Frankenjura heute einen Blick weit zurück in die Erdgeschichte der Jurazeit.

Querschnitt durch die Fränkische Alb

Die unterschiedlichen Gesteinsschichten im Überblick

Der Naturpark Fränkische Schweiz - Frankenjura wird von drei Jura-Schichten geprägt: dem Schwarzen Jura (Lias), dem Braunen Jura (Dogger) und dem Weißen Jura (Malm). Jede Schicht entstand in einer anderen Phase der Erdgeschichte und zeigt typische Gesteinsarten, Fossilien und Landschaftsformen.

Schwarzer Jura (Unterjura, Lias, 205–180 Mio. Jahre)

Der Schwarze Jura bildet die älteste Gesteinsschicht der Region. Zu Beginn lagerten tropische Flüsse 20–30 m mächtige Sandsteine in einem Delta ab, bevor ein warmes, nährstoffreiches Meer das Gebiet überflutete. Die folgenden Millionen Jahre entstanden überwiegend dunkle Tonsteine. Die besonderen Bedingungen am Meeresboden – wenig Wasserbewegung, stabile Schichtung und Sauerstoffarmut – führten dazu, dass abgestorbene Tiere kaum zersetzt wurden. Dadurch blieben Fossilien außergewöhnlich gut erhalten, etwa Ammoniten, Belemniten, Fische und Meeressaurier. Fundstücke finden sich in Museen in Bayreuth, Bamberg und Banz. Die Tonvorkommen machten den Lias weit über die Region hinaus bekannt.

Brauner Jura (Dogger, 180–155 Mio. Jahre)

Im Mitteljura wurden zuerst Tone (Opalinuston), danach feinkörnige, eisenreiche Sande abgelagert. Aus ihnen entstand der charakteristische helle Dogger-Sandstein. Die Sande wurden in einem küstennahen Bereich am Westrand der Böhmischen Masse transportiert, wodurch die besonders gleichmäßige Körnung entstand. Der Eisensandstein war ein beliebtes Baumaterial, etwa für die Wallfahrtskirchen in Gößweinstein und Vierzehnheiligen oder das Kloster Banz. Wegen seines tonigen Bindematerials ist der Sandstein vergleichsweise weich – ideal für das Ausschachten von Felsenkellern. Deshalb gehören in vielen Ortschaften der Fränkischen Schweiz Felsenkeller zum Ortsbild; der Biergartenbesuch heißt dort traditionell „auf den Keller gehen“. Der Dogger endet wie er beginnt mit einer Tonschicht, dem Ornatenton.

Weißer Jura (Oberjura, Malm, 155–135 Mio. Jahre)

Der Weiße Jura besteht überwiegend aus hellen Kalk- und Dolomitgesteinen. Damals wuchsen im Flachmeer Schwammriffe, die heute als markante Felsformationen erhalten sind. Man unterscheidet im Malm die Schicht- und die Rifffazies:

  • Schichtfazies: Feinkörnige Kalkablagerungen aus Plankton bildeten die sogenannten Werkkalke – das „weiße Gold“ Frankens. Sie werden bis heute in Steinbrüchen als Schotter, Werk- oder Zementrohstoff gewonnen. In diesen Schichten finden sich zahlreiche Fossilien wie die typischen Jura-Ammoniten.
  • Rifffazies: Aus ehemaligen Schwammriffen entstand eine mächtige Massenfazies. Viele dieser Riffe wurden später dolomitisiert; der dabei entstandene Dolomit ist hart und verwitterungsbeständig. Dadurch entstehen die charakteristischen scharfkantigen, bizarren Dolomitfelsen und viele standfeste Höhlen der Fränkischen Alb.

 

Gesteine außerhalb der Jura-Zeit

Obwohl die Region überwiegend aus Jurasedimenten besteht, gibt es vereinzelt deutlich jüngere oder ältere Gesteine.

  • Kallmünzer (Oberkreide): Diese extrem harten, sandsteinartigen Blöcke bestehen aus stark verkieselten Sanden. Sie bildeten sich, als gelöste Kieselsäure aus Bodenlösungen die Sandkörner verkittete. Während die übrigen, nicht verfestigten Sande der damaligen bis zu 400 Meter mächtigen Deckschicht später abgetragen wurden, blieben die widerständigen Kallmünzerblöcke zurück. Sie treten vor allem im Veldensteiner Forst und der Hollfelder Mulde auf.
  • Basalt (Tertiär): Vor etwa 30 Millionen Jahren gab es entlang einer 6,5 Kilometer langen Spalte zwischen Hohenpölz und Kalteneggolsfeld vulkanische Aktivität. Dabei entstand Basalt, der früher in kleinen Steinbrüchen – heute Naturdenkmale – abgebaut wurde. Die überwachsenen Brüche sind noch im Gelände erkennbar.
  • Kalktuffe (heute noch entstehend): Kalktuff bildet sich an Quellaustritten oder in sprudelnden Bächen, wenn CO₂ aus dem Wasser entweicht und gelöster Kalk ausfällt. Dieser Prozess findet bis heute in der Region statt.
Ein Felsblock mit einem Eingang in den Felskeller
Brauner Jura
eine braunfarbene Felswand
Brauner Jura
Ein Fels in dem eine Tür in den Keller führt.
Brauner Jura
ein dunkelgrauer fels
Schwarzer Jura
eine dunkelgraue felswand
Schwarzer Jura
Eine Felsabbruchkante, aus geschichteten Fels
Weißer Jura
Heller Fels der aus unterschiedlichen Schichten besteht.
Weißer Jura
Ein Felsblock auf einem Feld
Kallmünzer
Ein Felsbrocken liegt auf einem Acker.
Kallmünzer
Blick über eine grüne Wiese auf drei emporragende Felssäulen
Beiträge von

Prof. Dr. Schirmer

Hier findest du weiterführende Beiträge von Prof. Dr. Schirmer rund um das Thema Geologie im Naturpark Fränkische Schweiz - Frankenjura.