Hüllweiher
Wasserreservoirs im trockenen Karstgebiet
Bevor auf der Hochfläche gelegene Ortschaften an die moderne Wasserversorgung angeschlossen waren, behalfen sich die Bewohner mit der Anlage kleiner, flacher Teiche und Weiher. Diese Hüllweiher, auch Hülen, Hüllen oder Hühlen genannt, boten und bieten vielen Pflanzen- und Tierarten eine Lebensgrundlage.
Entstehung und Geschichte
Die Hochfläche des Naturparks besteht hauptsächlich aus Kalkstein und Dolomit. Diese löslichen Sedimentgesteine sind durch chemische Verwitterungsprozesse von Rissen und Spalten durchzogen. Niederschläge werden schnell nach unten abgeleitet und es entstehen so kaum Oberflächengewässer. Dies machte Wasser auf der Hochfläche für Tiere und Pflanzen schon immer zu einem besonders raren und damit kostbaren Gut.
Auch die dort lebenden Menschen stellte die Wasserarmut auf der Hochfläche vor große Herausforderungen. Viele hochgelegene Ortschaften wurden erst ab den 1950er Jahren an die moderne Fernwasserversorgung angeschlossen. Über Jahrhunderte behalf sich die Bevölkerung zuvor mit der Anlage kleiner Gewässer.
Meist wurde dafür der Grund bereits vorhandener Dolinen mit Lehm abgedichtet, um ein Versickern des Niederschlagswassers zu verhindern. So entstanden kleine, flache Teiche und Tümpel. Das gesammelte Wasser konnte in den meisten Fällen zwar nicht als Trinkwasser, aber beispielsweise zum Tränken des Viehs, für die Wäsche von Feldfrüchten oder Schafen und als Löschwasser genutzt werden. Dass manche Orte sogar die Endung „hüll“ im Namen tragen, verdeutlicht die große Bedeutung der in fast jeder Ortschaft und auch in der Landschaft befindlichen, menschengemachten Kleingewässer für das tägliche Leben.
Bedeutung und Ökologischer Wert
Nicht nur für Menschen, sondern auch für viele Tier- und Pflanzenarten waren die früher weit verbreiteten Hüllweiher lebenswichtig. Sie stellten und stellen in der sonst gewässerarmen Landschaft wichtige Habitate und Möglichkeiten zur Wasseraufnahme dar. So werden sie von verschiedenen Amphibienarten wie Erdkröte, Grasfrosch und Bergmolch als Laichgewässer genutzt. Auch Libellen und weiteren Wasserinsekten dienen sie als Eiablageort und Lebensraum. Dieser Insektenreichtum wiederum lockt viele weitere Arten und Artengruppen wie etwa Vögel, Wasserfledermäuse, Spitzmäuse, Eidechsen und Igel an.
Hüllweiher heute
Mit dem Bau der modernen Wasserversorgung verloren die Hüllweiher ihre Bedeutung für die Menschen und Pflege und Instandhaltung wurden eingestellt. Sie wurden zugeschüttet oder anderweitig genutzt. Viele Hüllweiher mussten Baumaßnahmen weichen, wurden im Zuge der Intensivierung der Landwirtschaft verfüllt oder mit Betonwänden eingefasst.
Geblieben ist die besondere Bedeutung der Hüllweiher als Lebensraum für Pflanzen und Tiere, vor allem zur Fortpflanzung von an Gewässer gebundene Tierarten, genau wie ihre Zugehörigkeit las Bestandteil der Siedlungsgeschichte der Gegend.
Deshalb unterstützt der Naturpark Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen zum Erhalt der Hüllweiher als wichtige Habitate und als charakteristisches Erscheinungsbild unserer Kulturlandschaft. Je nach Zustand können dazu beispielsweise Gehölzpflege oder – entfernung, Teilentlandungen oder Extensivierungsmaßnahmen der umgebenden Flächen gehören.