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Ackerwildkräuter im Naturpark

Schön, aber verletzlich und vom Aussterben bedroht!

Noch bis in die 1960er Jahre war der bunte Anblick von Getreideäckern nicht selten: blau leuchteten die Kornblumen, rot strahlte der Mohn. Das alte Sprichwort „Unkraut vergeht nicht“ gilt für diese Blumenschönheiten schon lange nicht mehr. Man muss sehr weit suchen, um letzte Kräuter dieser Art zu finden.

Gerade die Steinäcker oder Kalkscherbenäcker – typisch für die Hochflächen des Jura – waren einst Lebensraum der Adonisröschen-Gesellschaft, einer unserer buntesten Pflanzengemeinschaften überhaupt – früher weit verbreitet, heute selten und vom Aussterben bedroht. Namengebend ist das rote, manchmal auch gelb blühende Sommer-Adonisröschen. Neben Kornblumen und Klatsch-Mohn gesellten sich dazu der dunkelviolette Frauenspiegel, der Feld-Rittersporn mit seinen zierlich blauen Blütenspornen oder der weißlich bis blassblaue Acker-Schwarzkümmel, nahe verwandt der „Gretel in der Heck“, einer Zierpflanze der Bauerngärten. Bereits früh aus unseren Äckern verschwand die Kornrade mit ihren Purpurblüten.

Wegen der schönen Blüten wurde die Kornrade von den Gärtnern entdeckt und taucht wie Mohn- und Kornblumen immer öfter in Hausgärten auf. Das Schicksal dieser Ackerwildkräuter teilen viele andere Blumen: sie verschwinden aus der Natur, finden dafür Zuflucht in unseren Gärten. Als „leuchtendes“ Beispiel auch das Goldene Felsen-Steinkraut, das bei uns in Wildform noch an sonnseitigen Felswänden im Wiesenttal um Muggendorf bewundert werden kann – und durch Felsfreilegungen gerettet wurde.

Die Geschichte unserer Kulturpflanzen und Ackerwildkräuter ist so alt wie die Geschichte des Ackerbaus, die bis in das 7. Jahrtausend vor Christus zurückreicht und in ihren frühesten Formen im Vorderen Orient begann. Mit der Ackernutzung schuf der Mensch neue Pflanzenkombinationen: die Feldunkraut-Gesellschaften. Diese Pflanzengesellschaften wurden aber nicht nur vom Menschen geschaffen – sie sind auch von dessen Art der Landbewirtschaftung ganz und gar abhängig. Doch diese hat sich in den letzten Jahren gründlich geändert.

Von allen flächenmäßig bedeutenden Ökosystemtypen Mitteleuropas ist der Artenrückgang im Ackerland am gravierendsten. Die Ursachen sind Nutzungsintensivierung mit erheblich gestiegenen Düngemittel- und Pestizideinsatz – oder, wie bei den zwar „steinreichen“, aber ertragsschwachen Kalkscherbenäckern – die Auflassung der Nutzung, Flächenstilllegung und Verbrachung.

Maßnahmen zum Schutz der Ackerwildkräuter sind dringend erforderlich! Nötig wären Nutzungsextensivierungen. Leider unterliegen unsere Landwirte zahlreichen Sachzwängen und „1000-fachen“ Nutzungsauflagen. „Wachsen oder Weichen“ ist ein fast zynisch klingendes Schlagwort unserer Agrarpolitik – also noch mehr Intensivierung, Spritzmitteleinsatz, Flächenzusammenlegung, noch größere Maschinen, Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen - mit Gefahren, die wir heute noch gar nicht abschätzen können.

Oder „Weichen“: Betriebsaufgabe und Flächenstilllegung. Auf der „Strecke“ bleiben damit unsere schönen Ackerblumen – und nicht nur diese …

Wir als Verbraucher haben es in der Hand: Einkaufen auf dem Bauernhof, Direktvermarktung, Bioprodukte … Unsere Bauern erzeugen „Qualität aus der Fränkischen Schweiz“ – wir zahlen dafür einen angemessenen Preis! Und erhalten im Gegenzug neben gesunden Lebensmitteln unsere schöne Heimatlandschaft, sichern Arbeitsplätze, Dorfkultur - und das Überleben unserer Adonisröschen-Gesellschaft!