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Kopfeichen im Naturpark

Kultur- und Naturlandschaft mit Kopfeichen am Hetzleser Berg

Unterwegs im Kopfeichenland - Kultur- und Naturlandschaft mit Kopfeichen am Hetzleser Berg

Kopfweiden sind vielen Menschen ein Begriff. Dass es aber auch Kopfeichen gibt, wissen nur wenige. In ganz Bayern, sogar bundesweit, ist diese alte Nutzungsform ausgesprochen selten. Rund um den Hetzleser Berg im Landkreis Forchheim gibt es noch mehr als 1000 dieser mächtigen Bäume.

Die Eichenrinde der Äste, die früher regelmäßig am "Rumpf" zurück geschnitten wurden diente der Ledergerbung, das Holz als Brennstoff. Durch den Rückschnitt entstand die typische Kopfform. Die regelmäßige Nutzung wurde nach und nach aufgegeben, da chemische Gerbstoffe die Eichenrinde ersetzten. Zur Blütezeit der Textilindustrie im Regnitzgebiet mit Firmen wie Weber & Ott in Forchheim oder der ErBa (Erlanger-Bamberger-Baumwollspinnerei) in Erlangen/Bamberg war der Bedarf an gegerbtem Leder hoch. Viele mechanische Verbindungen wie z. B. an Webstühlen wurden von Lederteilen gehalten, man rechnete eine halbe Rindshaut pro Monat pro Webstuhl. Dies zeigt auf warum sich die Nutzung von Kopfeichen im Gebiet um den Hetzleser Berg zentriert.

Die zum Teil Jahrhunderte alten Bäume weisen hohe Totholzanteile, Mulmhöhlen, Faulstellen und Höhlen auf, die für viele Insekten, aber auch höhlenbrütende Vogelarten und Fledermäuse Lebensraum bieten. Im morschen Holz leben zum Beispiel viele seltene Käfer, darunter EU-weit gefährdete Arten wie der Eremit oder der Hirschkäfer. Die Kopfeichen am Hetzleser Berg beherbergen die größte Eremitenpopulation in Bayern und 245 weitere xylobionte (holzbewohnende) Käferarten. Viele weitere Insekten- und Schmetterlingsarten nutzen die Eichen als Lebensraum, genauso wie Spechte, Siebenschläfer und zahlreichen weitere Vogel- und Tierarten.

Die Mehrzahl dieser 245 gefährdeten Arten ist bayern- wie bundesweit nur sehr lückig bis sporadisch verbreitet. Für einige Arten liegen aus Bayern aus den letzten 50 Jahren nur wenige Nachweise vor. Das starke Vorkommen des Eremiten (Osmoderma eremita) und des Marmorierten Rosenkäfers (Protaetia lugubris) zeichnen die Solitärbaumbestände des Hetzleser Berges besonders aus. Die hohen Anteile wertgebender und gefährdeter Arten im Gesamtartenspektrum (80 Arten) und insbesondere in den Kopfeichen (35,8% RL-Arten) sind von bayernweiter Bedeutung, der Hetzleser Berg ist ein Hotspot der Xylobiontendiversität in Bayern. In Anbetracht des bisher festgestellten Artenspektrums und der Ausstattung mit hochwertigen Altbäumen mit Biotoptradition (megatrees continuity) ist das Gebiet als einer der qualitativ hochwertigsten Lebensräume für xylobionte Insekten in Bayern einzustufen.

Mehrere hundert Jahre alte Bäume im Waldbestand sind durch die Waldnutzung selten geworden und dadurch auch der Lebensraum der Fauna, die auf Altbäume und die oben genannten Strukturen angewiesen sind, deswegen sind die Kopfeichen, weil sie auch noch so gehäuft auftreten, ein wichtiger Landschaftsbestandteil und Habitatbaum.

Eines der Ziele des BayernNetzNaturprojektes, das vom Bayerischen Naturschutzfonds und der GlücksSpirale gefördert wird, ist deshalb der Erhalt der Kopfeichen als Zeugen einer alten Nutzungsform sowie als wichtigen Lebensraum für holzbewohnende Käfer.

Da die Austriebe im Laufe der Zeit immer schwerer werden, drohen die Bäume auseinander zu brechen. Ein turnusmäßiger Rückschnitt ist deshalb wichtig. Der Landschaftspflegeverband Forchheim will die Eigentümer der Bäume bei diesen Pflegemaßnahmen, die natürlich freiwillig sind, unterstützen.

Das BayernNetzNaturProjekt dient aber auch dem Erhalt der großartigen Kulturlandschaft am Westrand des Hetzles mit ihren Bächen, Streuobstwiesen und Hecken. Für die Einheimischen soll so ein Teil ihrer Heimat bewahrt werden, für die Bewohner der nahen Großstädte soll die überaus reichstrukturierte Landschaft der Erholung dienen.

Das Alleinstellungsmerkmal dieses Gebietes in Deutschland gilt es besonders zu erwähnen, die Häufung vieler alter Kopfeichen in einem Gebiet in der direkten Vernetzung mit Hecken, Streuobstwiesen, blütenreichen Mähwiesen in einer kleinräumigen Landschaft, sind der ideale Lebensraum für eine vielfältige Fauna und Flora. Aber auch der kulturhistorische Aspekt ist nicht zu vernachlässigen, bildete doch die Nutzung der Kopfeichen die Basis für einen ganzen Industriezweig in der Region. 

 

Leonhard Anwander, März 2019