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Schäfer sucht Futter

26.07.2019

Grüner Aufwuchs durch Hitze nicht möglich – Schafe müssen eventuell vorzeitig zurück

Pottenstein „In ein bis zwei Wochen ist mein Futter alle“, sagt Schäfer Konrad Stiller traurig. Gerade weidet er mit seinen 450 Schafen am Pottensteiner Schlossberg, nahe dem Schullandheim. „Normalerweise lassen die Schafe die dürren mageren Stiele stehen, doch sie haben nichts anderes zu fressen. Von den hochwertigen Gräsern sind auch nur Stängel da.“ Das einzige, das die Schafe im Alter von acht Wochen bis 10 Jahren stehen lassen, ist die Zypressenwolfsmilch. „Da sagt ihr Gehirn: Nicht fressen, nicht fressen“, erläutert Stiller. “ Der Milchsaft ist stark giftig. Für Insekten ist die Pflanze jedoch wichtig. Die zehn jüngsten Merinos bekommen noch Milch von den Muttertieren. „Ein Schaf braucht am Tag fünf bis sechs Kilo Gras, wenn es ausreichend ernährt wird. Für die Herde benötige ich täglich zweitausend Liter Wasser, bei Hitze sogar noch mehr“, erzählt er.

Schäfer im Naturpark

Stiller findet, dass die Situation noch schlechter, als im vergangenen Trockenjahr ist. Dabei sah es im Frühjahr noch gut aus. „Der April war trocken, der Mai aber okay, der Juni war zu heiß und zu trocken bei uns. Die afrikanische Hitze der letzten Zeit ließ kein Gras wachsen.“ Die ihm anvertraute Herde kommt aus Niederbayern. Wenn es sie vorzeitig zurückschicken muss, dann befürchtet er, wird er sie im nächsten Jahr nicht mehr bekommen. „Das zieht einen Rattenschwanz nach. Wenn ich keine Schafe mehr bekommen, dann ist die Landschaftspflege hier in Gefahr“, befürchtet er. Eine Hoffnung hat er. „Vielleicht meldet sich nach diesem Aufruf jemand, der ein Herz für die Merinoschafe hat.“ Er hofft, es möge Jemand anrufen, der eine Fläche ab 1 ha hat, die er nicht benötigt und diese abweiden lässt. Ab einem ha würde es sich auch für die Schafherde rentieren, aufzubrechen und einen längeren Weg auf sich zu nehmen. Es kann in der Gegend um Gößweinstein, Obertrubach, Pottenstein, Pegnitz und Haßlach sein. „Vielleicht hat Jemand auch einen zweiten Schnitt, den er nicht benötigt“, hofft er. „Wenn alle Stricke reißen, muss ich versuchen, irgendwo Heu herzubekommen.“ Doch oft sind die Lager leer. „In Oberbayern regnet es immer mehr - jedoch auch in Niederbayern - ist das Futter schon ziemlich knapp.“ Der 62-jährige Schäfer konnte um diese Zeit im vergangenen Jahr auf Stoppelfelder weiden. „Heuer ist die Ernte noch nicht soweit. Mir läuft die Zeit davon. Ich stehe oft daneben und denke:  Das ist wieder einmal ein „Ausnahmejahr - aber“, so fügt er hinzu „das ist der Klimawandel in Franken. Lange Zeit wurde er vorhergesagt. So, jetzt haben wir ihn.“ Die Grillen zirpen neben den grasenden Schafen um die Wette. „Ja, die Grillen mögen das trockene Wetter. Wer mir helfen kann, möge sich bitte mit mir in Verbindung setzten“, vertraut der langjährige Naturpfleger auf Leser, die ihm eventuell helfen könnten. Die Handy Nummer des Schäfer Stiller 01577 3999984. Er hofft auch auf noch etwas: Baldigen Regen.

Von Rosi Thiem